Gesundheit,  Liebe

Niemand sollte alleine trauern – Interview mit Trauerbegleiterin Alexandra Kossowski

Im Interview verrät Trauerbegleiterin Alexandra Kossowski von Leid und Freud, wie sie zu ihrem ungewöhnlichen Beruf gekommen ist, warum der Tod ein Tabuthema ist, wie wir das ändern können und wie jeder von uns Trauernden helfen kann. Mehr dazu im Interview!

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Es ist nicht schön zu hören, aber wir werden alle sterben. Irgendwann. Manche früher, manche später. Aber wir werden alle sterben. Das ist Fakt! Trotzdem versuchen wir uns zu Lebzeiten möglichst wenig mit dem Tod zu beschäftigen. Denn Tod ist mit Trauer und Leid verbunden. Und wer beschäftigt sich schon gerne damit? Während wir uns vor Gesprächen über den Tod drücken, macht Alexandra Kossowski genau das Gegenteil. Sie ist Trauerbegleiterin und redet in ihrem Podcast, dem Todcast, mit Leuten, die einen geliebten Menschen verloren haben. Dabei ist keine Geschichte wie die andere und ich bin jedes Mal von dem Mut der Trauernden, uns von ihrer Trauer zu erzählen, berührt. Ich finde Alexandra und ihre Arbeit einfach toll, weshalb ich sie in Berlin besucht und ein Interview mit ihr geführt habe, das jetzt folgt!

Wer bist du und was machst du?
Ich bin Alexandra, 40 Jahre alt und Trauerbegleiterin bzw. Coach für Krise und Verlust. Ich komme ursprünglich aus Krefeld, aber lebe in meiner Wahlheimat Berlin. In meiner Freizeit widme ich mich gerne persönlichen Projekten, wie dem Todcast, bin Vormund für einen unbegleiteten, minderjährigen Jungen aus Afghanistan oder entspanne mich einfach ein bisschen auf dem Sofa und kraule meinem Kater den Bauch.

Wie und wieso bist du Trauerbegleiterin geworden?
Das war über viele Ecken. Den letzten Anstoß hat mir meine ehrenamtliche Arbeit im Hospiz gegeben. Zu dem Zeitpunkt war ich eh schon im Coaching-Bereich tätig und so kam eins zum anderen. Ich möchte mit meiner Arbeit anderen dabei helfen, ihren Verlust zu verarbeiten und wieder die schönen Seiten des Lebens zu entdecken.

Hast du dich schon mit deinem eigenen Tod auseinandergesetzt?
Ja, soweit man sich eben mit dem Tod auseinandersetzten kann. Ich habe mir schon meine Beerdigung überlegt. Meine Beerdigung soll ein richtiges AbschiedsFEST werden, das an mein Leben erinnert. Prinzipiell habe ich keine Angst vorm Tod. Ich glaube daran, dass unsere Seelen irgendwie und irgendwo weiterleben.

Warum ist der Tod ein Tabuthema in unserer Gesellschaft?
Ich denke, das hat mit dem Krieg/den Kriegen zu tun. Im Krieg gab es viel Tod, aber es gab andere Probleme, mit denen sich die Hinterbliebenen befassen mussten, sodass kein Raum für Trauer war. Das ist ein Grund für dieses Tabu. Dazu kommt, dass heutzutage alle anstreben, möglichst lange jung zu bleiben und ein erfülltes Leben zu führen. Da passt der Tod einfach nicht dazu.

Was machst du in deinem Podcast, dem Todcast?
Im Todcast gebe ich Trauernden die Möglichkeit ihre Geschichte zu erzählen. Damit möchte ich anderen Trauernden zeigen, dass sie nicht alleine sind. Außerdem erhoffe ich mir davon, dass Außenstehende sicherer im Umgang mit Trauernden werden und das große Tabu „Tod“ gebrochen wird. Somit ist der Todcast sowohl für Trauernde, als auch für Außenstehende, die ihr Bewusstsein diesbezüglich erweitern wollen.

Fällt es dir schwer, dir die traurigen Geschichten der Trauernden anzuhören?
Nein, weil ich Trauernden mit meiner Arbeit helfe und ihnen mit meinem Podcast ein Sprachrohr gebe. Bei meiner Arbeit als Trauerbegleiterin versuche ich gemeinsam mit den Trauernden das Leben wieder lieben zu lernen, da geht es also gar nicht nur um die Lücke, die die fehlende Person hinterlassen hat. Somit werde ich dabei nicht so oft emotional. Bei den Aufnahmen für den Todcast fließt schon mal die ein oder andere Träne und manchmal auch ganze Wasserfälle. Aber das ist OK. Weinen ist menschlich und wir sollten keine Angst davor haben.

Welches Interview/Welche Geschichte hat dich am meisten berührt?
Das ist schwer zu sagen. Alle Geschichten haben mich berührt und wenn ich eine hervorhebe, würde das die anderen zu Unrecht herabsetzten. Interessant fand ich, dass es nochmal etwas ganz andere ist, eine Folge live aufzunehmen, statt per Videocall.

Welche Hilfe gibt es für Trauernde?
Ich biete Einzelbegleitung und Wochenendworkshops an und gelegentlich veranstalte ich weitere Events, wie zum Beispiel Trauer-Spaziergänge. In vielen Krankenhäusern und Hospizen gibt es außerdem Trauergruppen. Ansonsten gibt es viele Vereine, die ebenfalls Hilfe für Trauernde in verschiedenen Formen anbieten, je nach Art des Verlusts.

Wie können Leute aus dem Umfeld Trauernden helfen?
Es sind meistens die alltäglichen Dinge, die Trauernden schwer fallen. Als Außenstehender kann man für den Trauernden Essen kochen, Wäsche waschen oder einfach mal anrufen/vorbei kommen. Zudem ist es ganz wichtig, dass man die Trauer bzw. den Verlust anerkennt. Und das nicht nur einen Monat lang!

Welche Wünsche und Träume hast du für die Zukunft?
Ich wünsche mir, dass sich alle mehr mit dem Tod auseinandersetzten und mit ihren Liebsten darüber reden. In Amerika gibt es Veranstaltungen, bei denen Leute sich mit ihren Liebsten versammeln und ein Experte vorbei kommt und man gemeinsam über den (eigenen) Tod redet. Ähnlich wie eine Tupper Party. So etwas sollte es meiner Meinung nach auch in Deutschland geben. Ansonsten wünsche ich mir, dass sich die Friedhofsgesetze lockern, sodass man mehr Freiheiten in der Gestaltung seiner letzten Ruhestätte hat. Und ich finde, dass es (mehr) gesetzliche Regelungen zu Urlaub und Teilzeit nach einem Verlust geben sollte.

Gibt es noch etwas, das du meinen Lesern mitgeben möchtest?
Traut euch das Thema Tod anzusprechen und das Tabu zu brechen. Seht es andersrum. Der Tod ist ein Zeichen dafür, dass das Leben nicht endlich ist, also lebe deine Träume möglichst zeitnah aus! Außerdem habe ich durch meine Arbeit im Hospiz gelernt, dass beim Tod nur noch das Wesentliche zählt und Geld, Aussehen und Ähnliches (dann) egal sind.

Vielen Dank für das bewegende Interview und dafür, dass du mich nicht rausgeworfen hast, obwohl ich bis spät abends immer mehr und immer persönlichere Fragen gestellt habe!

Du möchtest noch mehr in Alexandras Welt eintauchen?
Dann kommst du hier zu ihrer Website mit ihrem Podcast „Todcast“ und ihrem Blog.
Hier erfährst du mehr über ihre Arbeit als Trauerbegleiterin!
Du kannst Alexandra auch bei Instagram, Facebook und Youtube folgen.

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